HÖR.OPER!

mir

DER FILM

Norbert ist glühender Opernfan. Seit er erblindet ist, bleiben dem Gelsenkirchener nur noch Schallplatten, CD’s und seine Opernführer, Libretti (und Partituren) in Brailleschrift, um seinem Hobby nachzugehen. Opernbesuche? Die waren für ihn bisher unbefriedigend, denn was Oper ausmacht, Regie, Bühnenbild, Ausstattung und die Bewegungen der Sängerdarsteller auf der Bühne, blieben für ihn unsichtbar. Doch dann entwickelte das Musiktheater im Revier ein speziell auf Blinde und Menschen mit Seheinschränkungen zugeschnittenes Angebot: Die Hör.Oper!

1,2 Mio. Blinde bzw. Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit leben in Deutschland. (Quelle: www.dbsv.org) Auch sie haben einen Anspruch auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Deswegen werden im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen ausgewählte Opern seit 2010 so aufbereitet, dass auch diese Zielgruppe sie verstehen kann. Hierbei hilft die Audiodeskription oder auch Hörfilmfassung. Zwischen den Dialogen werden Sprachpassagen eingearbeitet, die das visuelle Geschehen schildern. Im Zuge des Umbaus des MIR 2010 wurde eine Sendeanlage eingebaut, mit der die Audiodeskription überall im Haus empfangen werden kann. Um höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen testete ein Team aus Sehenden und Sehbehinderten die Audiodeskriptionen verschiedene Opernhäuser. Aus den Testergebnissen wurden redaktionelle und inhaltliche Richtlinien entwickelt, die den Blinden und Sehbehinderten ein optimales Hörbild aus Musik und Handlungsbeschreibung vermittelt.

Um einen hohen Qualitätsstandard zu erreichen, arbeitet das MIR eng mit der Zielgruppe zusammen. Audiodeskriptionen entstehen daher immer in Zusammenarbeit mit opernerfahrenen blinden und sehenden Autorinnen und Autoren. Nur so kann eine Bildbeschreibung erarbeitet werden, die den Bedürfnissen der Zielgruppe umfassend entspricht und zu einem spannenden und eindrücklichen Opernerlebnis führt. Sprechgeschulte Autoren sprechen während der Vorstellung live die Bildbeschreibungen ein. Von den Empfangsgeräten können die Kommentare an jedem frei wählbaren Platz im Auditorium von den blinden und eingeschränkt sehfähigen Besuchern abgerufen werden.

Mit den Ohren sehen? Das ist im Fernsehen bereits Alltag. Blinde und sehbehinderte Menschen können mithilfe akustischer Bildbeschreibung den visuellen Fernsehinhalten folgen. Am bekanntesten und am häufigsten genutzt ist der Hörfilm zum Tatort. Auf einem eigenen Tonkanal, beschreibt ein Audioguide in den Sprechpausen des Films die Szene.

Entsprechend eines Kriterienkatalogs, der für das Fernsehen entwickelt und vom MIR für die Oper adaptiert wurde, beschreiben die Opernflüsterer das Bühnengeschehen live, detailreich über spezielle Kopfhörer an die ca. 30 frei wählbare „Hörplätze“. Sprache, Musik und Bilder der Inszenierung verbinden sich vor dem inneren Auge zu einem facettenreichen Ganzen. Vor jeder Vorstellung erleben die Hör.Opern-Besucher eine Sinnesreise durch verschiedene Bestandteile der Inszenierung: bei einer etwa sechzig-minütigen Führung über die Bühne und ins Foyer können Teile des Bühnenbildes, Requisiten, Kostümteile und Perücken begangen und erfühlt werden. Nach einer speziellen Stückeinführung durch die Dramaturgie kann dann der Hör.Opern-Abend beginnen.

Filmische Umsetzung

Der Film schildert in emotionalen Bildern die Entwicklung und Entstehung der Audiodeskriptionen der Oper „Die Perlenfischer“ von Georges Bizet im Musiktheater im Revier. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit. Sie erarbeiten die Audiodeskription im Team gemeinsam mit Mitarbeiter des Autorenteams (zwei sehende zwei blinde), nehmen an Proben und Aufführungen der betreffenden Opern teil und erhalten einen Eindruck von Kostümen, Requisiten und Bühnenbild. Diese Eindrücke des musikalischen und szenischen Geschehens sowie des Bühnenraums bringen sie in die Gestaltung der Audiodeskription ein. So wird sichergestellt, dass die Texte der Audiodeskription die szenischen Abläufe zielgruppengerecht wiedergeben. Was schließlich über die Kopfhörer zu hören ist, basiert zu einem großen Teil auf ihren Erlebnissen und Erfahrungen. Vom Lesen des Librettos und Partituren(? Vielleicht besorgen), über den ersten Opernbesuch, das Sammeln haptischer und räumlicher Eindrücke von Kostümen, Maske und Bühnenbild, Redaktionssitzungen bis zur Premiere der Hör.Oper zeichnet der Film aus der Perspektive der Blinden und Sehbehinderten hautnah die Entstehung einer Audiodeskription nach.

Blinde und Sehbehinderte, Dramaturgen und Sprecher der Audiodeskriptionen erzählen von den besonderen Herausforderungen bei der Entstehung und bei der Aufführung. Mitarbeiter verschiedener Abteilungen (Schneiderei, Maske, Requisite, Bühne) des MIR erzählen warum es so wichtig ist Blinde und sehbehinderte Menschen an Oper teilhaben zu lassen und ihnen einen Eindruck vom szenischen Geschehen zu geben. Intendant Michael Schulz blickt zurück auf die Entstehung des Projekts Hör.Oper und erläutert dessen Bedeutung für die Gesellschaft.