ATELIER BÜHNE

Immendorff The Rakes Progress

Maler, deren Bilder auf dem Kunstmarkt für Millionen gehandelt werden. Star-Architekten, die Ground Zero neu bebauen oder für Walt Disney Konzerthallen entwerfen. Seit etwa zwei Jahrzehnten ist es in Mode sie Bühnenbilder und Kostüme für Opern gestalten zu lassen. Diesem anhaltenden Trend widmet sich jetzt eine Ausstellung in Metz. Sie zeigt: Schon im 20. Jahrhundert arbeiteten die bedeutendsten Gegenwartskünstler für die Oper. Allerdings aus ganz anderen Motiven.

Jörg Immendorff bevölkert die Bühne mit Affen, Markus Lüpertz kleidet „Trovatore“ in gigantische Bettlaken, Georg Baselitz stellt „Parsifal“ auf dem Kopf, Neo Rauch und Rosa Loy tauchen Wagners „Lohengrin“ in Blau, Frank Gehry quetscht „Orfeo“ zwischen Wände aus Eisblöcken und Daniel Libeskind baut Treppen ins Nichts für „ Tristan und Isolde“.

Die Liste international renommierter Künstler und Stararchitekten, die Bühnen-Bilder, -Räume und Kostüme für die Oper geschaffen haben, ist lang. Opernhäuser in New York, Paris, London, Mailand, die Festspielhäuser in Salzburg und Bayreuth oder die Staatsopern in Berlin, München und Hamburg – die international beachteten Musentempel buhlen um die Mega-Stars der bildenden Kunst und der Architektur. Sie tauchen Musik und Handlung in ihre einzigartigen, längst zu Chiffren gewordenen Bild und Raumwelten. Ihre Namen verleihen dem Opernabend die Aura eines Besuchs im MOMA und sie garantieren ausverkaufte Vorstellungen.

Aus der Perspektive bildender Künstler und Architekten zeigt der Film, wie und warum sie ihre Bilder dreidimensional werden lassen, ihr Atelier verlassen und in das Atelier Bühne wechseln. Lassen sie sich auf neue Erfahrungen ein? Verändert das ihren Blick auf sich selbst und ihren Stil? Oder lassen sie sich davon nicht beirren? Was veranlasst sie, sich auf das Abenteuer Oper einzulassen? Und wie denkt Robert Wilson – ein Künstler der als Regisseur, Bühnenbildner, Licht-Designer und Architekt ausschließlich für die Bühne arbeitet – über das Phänomen Gegenwartskunst und Oper?

Der Film erzählt davon, wie sich Bilder in Räume verwandeln und warum ausgerechnet das Gesamtkunstwerk Oper auf Künstler seit Jahrhunderten eine große Faszination ausübt. Den roten Erzählfaden bildet der Parkour durch die Ausstellung „Die Oper als Welt“ in Metz. Hier beginnt der Film, hierhin kehrt er immer wieder zurück, um neue Fragen zu stellen und hier endet er schließlich mit einem Ausblick und mit der Frage, ob die Oper durch Kunst und Architektur tiefer in unser Leben, in die Wahrnehmung unserer Gegenwart eindringen kann.

Dieser rote Ausstellungs-Faden wird filmisch verwoben mit Ausflügen in die Lebenswelt, in die Ateliers der Künstler und Architekten und in die Opernhäuser, an denen sie ihre Bühnenbilder realisieren. Ein Besuch im Archivkeller des Richard Wagner Museums führt den Zuschauer zurück in die Bild- und Raumwelten von Richard Wagners ersten Bayreuther Inszenierungen. Und die Betrachtung des weltweit einzigartigen, visionären Raumkonzeptes des Musiktheaters im Revier, gestaltet von Ives Klein, Jean Tinguely und Architekt Werner Ruhnau, zeigt wie eine Künstler-Utopie Wirklichkeit wurde, die bis heute der Oper ein Zu Hause mitten in der Gesellschaft gibt.

Der Film zeigt, wie Künstler, Regisseure, und Oper sich gegenseitig beeinflussen. Im 20. Jahrhundert, als die Opernbühne zum Ort künstlerischen Experimentierens, zum Nährboden und zum Spiegel neuer ästhetischer und politischer Strömungen wurde und heute, im 21. Jahrhundert, in dem ganz andere Mechanismen und Beweggründe eine Rolle spielen. Entlang der wichtigsten und stilbildenden Kooperationen von Künstlern mit der Opernbühne vom Fin de Siècle bis heute zeigt der Film die farbenreichen, bildgewaltigen Resonanzbeziehungen zwischen Malerei, Bildhauerei, Architektur und Lichtdesign.